Anhang

Juni 2, 2011 No Comments »
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Fig. 15

Kyllburg, heute der bevorzugte Luftkurort der Eifel

Noch vor einigen Jahrzehnten war die Eitel von Touristen als unwirthliches Land gemieden, und nur wenige wagten es, von den Schönheiten der Eifelberge zu sprechen, obschon die waldigen Höhen derselben ein vielgesuchtes Eldorado bereits zu Römerzeiten waren, wie es die Ueberreste von zahlreichen römischen Villen, Wasserleitungen, Heerstrassen und Befestigungsbauten allenthalben heute noch deutlich bekunden. Dass auch unsere Vorfahren noch im „romantischen“ Mittelalter die Vorzüge der von der Natur so sehr begünstigten Gelände der vulkanischen Eitel zu schätzen wussten, beweisen die vielen Dynasten-Sitze, Ritterburgen, Stifte und Abteien, die heute, wenn auch meist nur noch als malerische Ruinen, so zahlreich der Eifel, wie kaum einem ändern deutschen Gau, zur hervorragenden Zierde gereichen. Erst in den letzten Jahrzehnten hat man wieder schätzen gelernt, was in den Kriegsläufen der letzten Jahrhunderte der Vergessenheit anheimgefallen war. In Folge davon werden heute die Eifelgebirge mit ihren sonnigen Thälern nicht mehr als sibirische Landstrecken in Verruf erklärt, sondern gleichsam als rheinische Schweiz von zahlreichen Erholungsbedürftigen aufgesucht, die hier in der Sommerfrische als „Luftkurgäste“, fern von dem Staube und dem aufregenden Treiben der Städte, ein nervenstärkendes Dasein zu führen beginnen. Wenn auch in den letzten Jahren fast jedes anmuthig gelegene Eifeldorf sich als Luftkurort den Stadtmüden anpreisen lässt, so ragen unter diesen Kurorten doch nur verhältnissmässig wenige Eifelstädtchen hervor, die durch Natur und Kunst in Verbindung mit wohnlich eingerichteten Gasthöfen besonders jenen Erholungsbedürftigen zu empfehlen sind, die früher zur Abspannung und Nervenstärkung die meist schon blasirten Kurorte am Meeresstrand für theures Geld aufzusuchen pflegten. Unter diesen Eifelstädtchen, die in den letzten Jahren einer bevorzugten Frequenz sich zu erfreuen hatten, zeichnet sich Kyllburg im gleichnamigen schönen Thale besonders aus.

Die Geschichte Kyllburgs, sein Entstehen, die Gründung des Liebfrauenstiftes auf dem Killiberg und das Erlöschen dieses Stiftes am Ende des vorigen Jahrhunderts ist in Kürze auf Seite 1-2 angedeutet worden.

Seit der gewaltsamen Aufhebung der Stifte und Abteien unter der Fremdherrschaft Napoleons I. im Jahre 1802 sank auch die Bedeutung und der Vorrang des ehemals blühenden Städtchens, und Kyllburg fristete bis in die neueste Zeit nur ein bescheidenes Dasein in der Erinnerung an eine schönere Vergangenheit. Als jedoch durch den Bau der grossen Eifelbahn die Verbindung von Aachen und Köln, über Euskirchen und Kyllburg, nach Trier und den Reichslanden hergestellt worden war, wurde auch dem alten Eifelstädtchen in dem herrlichen Kyllthale wieder ein erhöhter Aufschwung gegeben. Dass die Bedeutung und der Wohlstand Kyllburgs in den letzten zwanzig Jahren auffallend gewachsen ist, verdankt das aufblühende Städtchen besonders auch dem Umstände, dass der vortreffliche rothe und weisse Sandstein, der seiner Härte und Dauerhaftigkeit wegen kaum seines Gleichen in deutschen Landen findet, seit dem Ausbau der Eifelbahn von allen Seiten gesucht ist und vermittelst der Bahn überallhin versandt werden kann. Das Vorfinden des farbschönen Rothsandsteines zu beiden Seiten der malerischen Bergabhänge des Kyllthales war auch Ursache, dass schon in den siebenziger Jahren fast sämmtliche Stationsgebäude von Euskirchen bis Trier als Quaderbauten von der kunstgeübten Hand des damaligen stadtkölnischen Baumeisters Raschdorf in gothischem Stil entworfen und in solider Weise so errichtet wurden, wie ähnliche Stationshäuser sich auf keiner Strecke der rheinischen Bahnen mehr vorfinden. Besonders ragt unter diesen Bauwerken das Stationsgebäude zu Kyllburg, dem industriellen Mittelpunkt der zahlreichen Steinmetzhütten des gleichnamigen Thales, durch Grosse und stiltreue Formen seiner Spitzbogen-Architektur hervor. Leider entbehrt das gewerbreiche Kyllthal mit dem Reichthum eines unvergleichlichen Steinmaterials noch immer einer staatlichen Fachschule für Ausbildung der Steinmetzkunst, wie solche Fachschulen für künstliche Steingutgefässe zu Höhr auf dem Westerwald, für Korbflechtereien zu Heinsberg, für Drahtwirkereien zu Neroth und für Holz- und Drechsel-Arbeiten zu Heimbach in neuester Zeit mit staatlicher oder landständischer Unterstützung errichtet worden sind. Das angeborene Talent der wackeren Steinmetzgesellen des Kyllthals verkümmert und kann für Hebung und Entwickelung der rheinischen Baukunst nicht allseitig verwerthet werden, weil den fleissigen Steinmetzen, deren Zahl schon heute mehr als 2000 beträgt, eine Fachschule fehlt, in welcher jüngere Kräfte das Zeichnen, Modelliren und „des Zirkels Maass und Gerechtigkeit“ so wieder erlernen, wie solche Künste in den alten Bauhütten und Werkstätten der Steinmetz-Innungen den Gesellen praktisch gelehrt werden. Hoffentlich wird den zahlreichen Steinmetzen der Kyll zur Hebung ihres Kunsthandwerkes in nächster Zeit endlich das geboten werden, was die hohe Staatsregierung und die Provinziallandstände der Rheinprovinz lange schon anderen Gewerkschaften entgegenkommend zu Theil werden Hessen.

Ein fernerer Grund des raschen Aufblühens des oft genannten Eifelstädtchens ist auch darin zu suchen, dass hier zahlreiche Gasthöfe und Privatquartiere zur Aufnahme von Sommerfrischlern errichtet worden sind, die den Besuchern mit den Vorzügen und Annehmlichkeiten des Landaufenthaltes zugleich auch die Bequemlichkeiten der Stadt bieten. Unter diesen Gasthöfen zeichnet sich besonders der Eifelerhof (Inhaber Edm. Corneli) vortheilhaft aus. An dem Abhange des Stiftsberges äusserst malerisch gelegen, eröffnet derselbe von seinen Terrassen aus eine überraschende Aussicht in das anmuthige Thal der Kyll, das von dem alterthümlichen Schlosse Malberg und dem gleichnamigen Pfarrdorfe abgeschlossen wird. Zur Rechten des Beschauers, von der oberen Terrasse aus gesellen, erhebt sich der früher von Reben bepflanzte Rosenberg, der von einer stattlichen Mariensäule überragt wird. Dieselbe ist aus Beiträgen der Bürgerschaft von Kyllburger Steinmetzen kunstgerecht im Jahre 1886 errichtet worden. Dem Fusse des Rosenberges ist die kleinere Pfarrkirche angelagert, ein Bauwerk aus neuerer Zeit mit einem Chorschluss der Spätgothik. Unmittelbar neben den geräumigen Terrassen des Eifelerhofes befindet sich der grosse Speisesaal, dessen Tafeln in Sommerzeiten mit mehr als 80 Kurgästen besetzt sind. Die Küche des Eifelerhofes wird von in- und ausländischen Besuchern als eine vortreffliche bezeichnet; besonders aber rühmen rheinische Gäste die Reinheit und Vorzüglichkeit der Weine. Neben dem Eifelerhofe verdienen noch hervorgehoben zu werden der Gasthof zum Stern und das Hotel-Restaurant von Geronne-Surges, ferner der Gasthof zum Anker und das Gasthaus zum Bahnhof. Ausserdem finden fremde Kurgäste in zahlreichen Privatquartieren ein behagliches Unterkommen. Zwei Aerzte haben hier ihren ständigen Wohnsitz, Dr. Balduwein und Dr. Neu, deren ausgedehnte Praxis bis über Trier hinausreicht. Dr. Neu, der längere Zeit in Wörishofen an der Seite von Mgr. Kneipp behufs eingehender Studien thätig war, leitet in Kyllburg seit mehreren Jahren eine Kaltwasser-Heilanstalt nach Kneipp’scher Methode mit grossem Erfolg, die nicht wenig dazu beigetragen hat, den Ruf Kyllburgs als Kuranstalt in weiten Kreisen zu lieben. Auch eine vortrefflich geführte Apotheke rühmt sich Kyllburg zu besitzen. Die photographische Anstalt von Jos. Quirin daselbst hat das Verdienst, in letzten Jahren gelungene Aufnahmen sowohl der hervorragendsten landschaftlichen Partieen der Eifel als auch der Bauwerke aus der Römerzeit und dem Mittelalter veranstaltet zu haben. Auch die Photographieen zu den Autotypieen der vorliegenden Schrift sind in dem Institut von Jos. Quirin hergestellt worden.

Ferner ist hier vor wenigen Jahren eine Niederlassung der Franziskanerinnen von Waldbreitbach errichtet worden, nachdem ein jetzt verstorbener Wohlthäter der hiesigen Pfarrkirche einen kleinen Grundbesitz mit einer früheren Stiftskurie zu diesem Zwecke letztwillig vermacht hatte. Diese Schwestern des hl. Franziskus widmen sich der Pflege von Kranken und Gebrechlichen nicht nur der Pfarrei, sondern auch der benachbarten Filialen; dieselben nehmen auch Kranke und auswärtige Erholungsbedürftige in einem als Hospital eingerichteten Theile der Anstalt auf. Besonders kunstgeübte Schwestern haben begonnen, für Kirchen der benachbarten Dekanate mustergültige Weisszeugarbeiten und Stickereien anzufertigen. Um den Unterhalt der Armen und Kranken besser bestreiten zu können, haben diese Schwestern in jüngster Zeit mit Erfolg den Anfang gemacht, für Pfarr- und Annexkirchen der Diözese Paramente von echten Seidenstoffen in haltbarer Färbung, mit mustergültigen Stickereien verziert, anzufertigen, deren Stoffe nicht, wie anderwärts, ans Frankreich, sondern von den namhaftesten Kirchenstoff-Fabrikanten Krefelds kunstgerecht und gediegen hergestellt werden.

Taf. XIV. Fig. 16
Gesammtansicht von Kyllburg mit dem Eifelerhof.

Zur besonderen Zierde aber gereicht dem aufstrebenden Kurstädtchen die monumentale frühere Stiftskirche nebst den neu wieder hergestellten Kreuzgängen und dem alterthümlichen Kapitelhause, hervorragende Bauwerke des Mittelalters, die jährlich eine grosse Zahl von Architekten und Alterthumskundigen behufs eingehender Studien anziehen. Da diese kirchlichen Bauwerke von den Raubzügen der Schweden und später der Franzosen unter dem herrschsüchtigen Ludwig XIV. theilweise verschont geblieben sind, so hatten sie sich noch bis zu Anfang dieses Jahrhunderts ziemlich unverletzt erhalten. Als jedoch nach Auflösung des Stiftes im Jahre 1802 die verwaiste Stiftskirche nur Sonntags in Gebrauch genommen wurde, waren die baulich merkwürdigen Anbauten den Unbilden der Witterung und der eigennützigen Zerstörungssuchte Einzelner schutzlos preisgegeben. Diesem Umstande war es auch zuzuschreiben, dass in den achtziger Jahren die hochinteressanten Kreuzgänge theilweise ohne Bedachung dem Einsturz und dem gänzlichen Verfall preisgegeben waren. Die hohen Provinzial-Landstände, die in den letzten Jahren die Mittel zur stilgerechten Restauration zahlreicher rheinischer Baudenkmale entgegenkommend bewilligten, haben auch, wie bereits auf Seite 9 bemerkt, schon im Jahre 1887 die Initiative zur Wiederherstellung der Kyllburger Kreuzgänge ergriffen. Nachdem auch Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1890 zur Wiederherstellung des Quadrums aus der Königlichen Privatschatulle einen namhaften Geldbeitrag allergnädigst zu spenden geruht hatte, nahmen die umfangreichen Erneuerungsarbeiten unter kundiger Bauleitung einen solchen Fortgang, dass die baulich merkwürdigen Kreuzgänge und das innere Paradiesgärtchen in ursprünglicher Schönheit im Jahre 1892 so vollendet werden konnten, wie dieselben gegen Mitte des 15. Jahrhunderts von kunstverständigen Steinmetzen des Kyllthales errichtet wurden. Um auch das Innere des hehren Gotteshauses stilgerecht wieder herzustellen und das zopfige Mobilar aus der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch ein solches ersetzen zu können, welches mit den Bauformen der Kirche harmonisch im Einklang stehe, ist kürzlich in Kyllburg ein Liebfrauen-Verein gegründet worden, der sich die lohnende Aufgabe gestellt hat, durch Einsammlung von wöchentlichen kleineren Beiträgen von Seiten der Theilnehmer und Mitglieder des Vereins im Laufe weniger Jahre die Mittel zu gewinnen, damit nicht nur die Mobilargegenstände wieder erneuert, sondern auch das Innere der Kirche von berufener Künstlerhand vielfarbig so ausgemalt werden könne, dass es mit den alten figuralen Glasmalereien des Chores, hervorragenden Werken der Glasmalerei vom Schlüsse des Mittelalters, stilvoll übereinstimme.

Ueberschaut man noch die Ursachen, weswegen Kyllburg vor den übrigen Kurorten der Eifel in jüngster Zeit einen so lieben Rang errungen hat und sich heute eines grossen Aufschwunges erfreut, wie dies im Vorhergehenden angedeutet wurde, so ist besonders darauf hinzuweisen, dass der oft genannte Kurort ungeachtet seiner hohen Lage – 330 Meter über dem Meeresspiegel – ein so vortreffliches Klima aufzuweisen hat. Kyllburg ist nämlich von allen Seiten von Bergeshöhen eingeschlossen, ähnlich wie Meran in Tyrol, und daher vor rauhen Winden zu allen Jahreszeiten gleichmässig geschützt. Dazu kommt noch, dass die Ortschaft nach drei Seiten von einem Waldgürtel eingefriedigt wird, um welchen die an Forellen und anderen Fischarten reiche Kyll im Kreise sich herumschlängelt. Dieser Buchenwald, der die Abhänge des Stiftsberges fast vollständig umgiebt und bis zur Kyll sich herabzieht, ist von schattigen Wegen und wohlgepflegten Spaziergängen durchzogen. Der Gemeindevorstand, der es sich auch hat angelegen sein lassen, die Landstrassen und Wege um Kyllburg herum mit Obstbäumen zu bepflanzen, hat es auch nicht unterlassen, den Verschönerungs-Verein Kyllburg mit Geldmitteln zu unterstützen, so dass derselbe diesen schönen Waldgürtel, der im Volksmund „im Hahn“ genannt wird, allerorts mit Bänken und Ruheplätzen für Kurgäste und Fremde, desgleichen auch mit einer kleinen Tonhalle für musikalische Aufführungen versehen konnte. Auch die nächste Umgebung des vielbesuchten Kurortes ladet einheimische und fremde Besucher zu zahlreichen Spaziergängen und Ausflügen ein, wie solche kaum in einer anderen Ortschaft der Eifel gefunden werden. So führt ein bequemer Fusspfad diesseits der Kyll zu der schönen Mariensäule auf das Plateau des Rosenberges. Vermittelst einer Steintreppe in dein thurmförmigen Unterbau dieser Säule gelangt man auf die von Zinnen bekrönte Plattfläche, auf welcher man eine prächtige Aussicht auf den Stiftsberg mit seinen kirchlichen und profanen Bauwerken und auf das an dem schmalen Sattel des Stiftsberges anlagernde Kyllburg gewinnt.

Eine besonders schöne Partie eröffnet sich dem Fussgänger nach der sogenannten „Wilsecker Linde“, einem vereinzelt stellenden, bereits alternden Baum auf der den Stiftsberg nach Süden hin abgrenzenden Hohe. Die Aussicht von der Linde ist überraschend grossartig und lohnt reichlich die kleine Mühe des Bergsteigens nach Ueberschreitung der festen Kyllbrücke. Zieht man eine Fusstour ebenen Weges in dem Thale der Kyll dein Bergsteigen vor, so gelangt man in kaum zwanzig Minuten von Kyllburg nach dem freundlichen Dorfe Malberg, dessen Höhen von zwei stattlichen Schlössern bekrönt werden. Die ältere Burgfeste, mit Mauern von fast zwei Meter Stärke, rührt noch aus dem Mittelalter her; jedoch sind sämmtliche Fenstereinfassungen in jener Zeit umgestaltet worden, als auch der moderne Schlossbau gegen Mitte des vorigen Jahrhunderts im Stile der kurfürstlich Trierischen Residenzen errichtet wurde. Nicht leicht dürfte man in den Rheinlanden einen so umfangreichen Schlossbau antreffen, dessen Aeusseres und Inneres den Charakter der Bauzeit, den Typus des Barockstils, so rein bewahrt hat, wie dies an dem Malberger Schlosse der Fall ist. Entgegenkommend hat man uns Gelegenheit geboten, die kunstgerecht hergestellten Säle und Gemächer des Prachtbaues der Besitzung des erst kürzlich verstorbenen Herrn Geheimraths Schmitz von München-Gladbach eingehend besichtigen zu können. In ihrer heutigen effektvollen Wiederherstellung legen dieselben beredtes Zeugniss ab von dem Kunstsinn des Kölner Suffragan-Bischofs Werner von Veyder, des Erbauers des gedachten Schlosses. In dem früheren, heute wieder hergestellten Festsaale desselben verdienen besondere Beachtung die inneren grossen Fensterverschläge, Vertäfelungen in vielfarbiger, eingelegter Marqueterie-Arbeit, die von derselben Meisterhand herrühren dürften, die auch die ähnlichen eingelegten Arbeiten an den Chorstühlen des Trierer Domes angefertigt hat.

Ein weiterer Ausflug führt durch einen herrlichen Buchenwald auf kürzlich neu angelegtem Fahrwege zu dem ehemaligen adeligen Cisterzienserinnen-Stift St. Thomas. Die Kirche dieses alten Frauenstiftes, die einer theilweisen Wiederherstellung bald entgegengehen dürfte, gehört zu den hervorragendsten spätromanischen Bauwerken der Trierer Diözese. Besonders merkwürdig ist Anlage und Ausführung des ursprünglichen Altartisches. Unter den wenigen mittelalterlichen Skulpturen der Kirche verdient namentlich eine fast lebensgrosse Marienstatue in Stein, der Mitte des 14. Jahrhunderts angehörend, hervorgehoben zu werden. Dieses Bildwerk gereichte zweifelsohne dem alten Hauptaltar zur besonderen Zierde. Heute jedoch hat dasselbe über einem Thorbogen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ein ärmliches unterkommen gefunden und harrt der Zeit entgegen, in welcher dasselbe, nach richtigen polychromen Gesetzen wiederhergestellt, den verdienten Ehrenplatz in der Kirche wieder einnehmen wird.

Wer kleinere Streifzüge in die Nachbarschaft Kyllburgs zu Wagen oder mit der Bahn unternehmen will, versäume nicht, das nahe Mürlenbach mit seiner Burgruine und ebenfalls Fliessem mit seinen römischen Antiquitäten zu besuchen. In dem alten Mürlenbach besassen schon die Karolinger ausgedehnte Hofgüter. Die Substruktionen der dortigen Burgfeste, die, wie so viele andere Burgen der schönen Eifel, dem „furor gallicus“ zum Opfer gefallen sind, sollen noch von der ersten Erbauerin, der Bertrada, herrühren, angeblich einer Grosstante Karls des Grossen. In Fliessem, das mit der Bann von Kyllburg über Erdorf in einer Stunde zu erreichen ist, finden sich zahlreiche Alterthümer, die zum Belege dienen, dass hier zu Römerzeiten ausgedehnte Niederlassungen und Villen sich befanden. Besonders interessant sind daselbst die noch wohlerhaltenen Fussböden in Mosaik.

Im Vorhergehenden sind kurz die Gründe angedeutet, weswegen der Kurort im Thale der Kyll, nur wenige Stunden von Trier entfernt, eine solche Bedeutung nicht nur als Mittelpunkt einer im steten Aufschwung befindlichen Industrie, sondern auch vornehmlich als Kurort gewonnen hat. Natur und Kunst haben dieses bevorzugte Eifelstädtchen in Frühlings- und Sommerzeiten zum gernbesuchten Stelldichein von Turn- und Gesangvereinen, von archäologisch-wissenschaftlichen Gesellschaften und militärischen Korporationen gemacht. Auch hochstehende Personen, unter andern auch Se. Königliche Hoheit der Kronprinz von Italien mit hohem Gefolge, Se. Excellenz von Loë, Gouverneur von Berlin, Se. Excellenz Nebe-Pflugstaed, Unterstaatssekretair im Justiz-Ministerium, und Se. Excellenz Nasse, Oberpräsident der Rheinprovinz, beehrten Kyllburg in jüngster Zeit mit einem Besuche und nahmen sämmtlich Absteigequartier im Eifelerhof.

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