I. Zur Geschichte Kyllburgs

Juni 2, 2011 No Comments »
I. Zur Geschichte Kyllburgs

Fig. 2

Wie der Name Kyllburg deutlich besagt, leitet der Ort seine Entstehung von einer Burg her. Und in der That war der Bergkegel, den die Kyll in einem nahezu geschlossenen Kreise umfliesst, zur Anlage einer starken Burgfeste wie geschaffen. Wann und von wem dieser naheliegende Gedanke zuerst verwirklicht wurde, wissen wir nicht; aber im Jahre 800 war die Höhe schon mit einer Burg gekrönt.
Beyer, Urkundenbuch zur Geschichte der mittelrheinischen Territorien, I, S. 17.
Damals schenkten nämlich die Eheleute Elmfried und Doda mehrere Ländereien, welche am Kiliberg gelegen waren, der Abtei Prüm. Vielleicht infolge dieser Schenkung wurde auf dem Berge auch eine Kirche errichtet; sie wird in einem Güterverzeichnisse der genannten Abtei schon im Jahre 893 erwähnt und im Jahre 1222 als Mutterkirche bezeichnet.
Beyer, Urkundenbuch, I, S. 150.

An Stelle des alten Kastells erbaute der Erzbischof Theoderich II. von Trier (1212–1242) im Jahre 1229 eine grössere Burg: Kyllburg befindet sich nämlich später nicht mehr im Prümer Besitz, sondern erscheint stets unter den Ortschaften, deren Eigenthumsrecht den Trierer Erzbischöfen von den Kaisern bestätigt wird. Die Veranlassung zur Erbauung der neuen Kyllburg gaben die Gewaltthätigkeiten des Ritters Rudolf von Malberg. Dieser suchte nämlich einige Güter, die Agnes von Malberg dem nahen Cisterzienserinnen-Kloster St. Thomas geschenkt hatte, nach ihrem Tode an sich zu reissen. Die Klosterfrauen wandten sich an den Erzbischof: doch seinen Aufforderungen, das unrechtmässige Gut herauszugeben, leistete Rudolf keine Folge, und erst nachdem der Erzbischof mit Waffengewalt ihn bezwungen hatte, fügte er sich. Um aber den raublustigen Ritter auch in Zukunft in Schranken zu halten, legte der Erzbischof die neue Burg auf dem Kyllberge an. Zu Burgmannen bestellte er zwei Ritter, von denen einer, wie der Erzbischof 1239 verfügte,
Beyer, Urkundenbuch, III, S. 500.

von den Grafen von Luxemburg bestellt werden sollte. Theodorichs Nachfolger, Arnold II. (1242 bis 1259) umgab im Jahre 1256 die Burg sammt den anliegenden Häusern mit einer festen Mauer.

Noch grössere Bedeutung aber erhielt der Berg durch den nächsten Erzbischof, Heinrich von Vinstingen (1260 bis 1286). Dieser hatte nämlich beschlossen, ein Stift zu Ehren der Mutter Gottes zu gründen; als Ort wählte er den Kyllberg. Ursprünglich soll er freilich, wie die „Sage“ berichtet, einen Berg jenseits der Kyll bei dem Dorfe Wilsecker ausersehen haben: aber die zum Bau dort angefahrenen Steine seien eines Morgens verschwunden gewesen und hätten sich auf dem Kyllberge befunden. Da nun zu gleicher Zeit Kinder auf dem Kyllberge in den Sträuchern ein Muttergottesbild gefunden hätten,
Daher heisst das noch heute vorhandene Gnadenbild im Volksmunde die Stauden-Muttergottes. (Vergl. Schmitz, Sitten und Sagen, II, 110.)

so habe der Erzbischof eine Weisung des Himmels zu erkennen geglaubt und auf dem Kyllberge mit dem Bau von Stift und Kirche begonnen.

Nach zuverlässigen Nachrichten begann dieser Bau im Jahre 1276; Baumeister soll der Cisterziensermönch Heinrich gewesen sein. Das Stift war auf zwölf Kanoniker liebst einem Propste berechnet; da aber die anfänglich zugewiesenen Einkünfte nicht ausreichten, so wurden von den Erzbischöfen Diether und Balduin dem Stifte mehrere Pfarreien (Irsch, Tawern, Leudesdorf, Kyllburg u. a.) incorporirt. Aber auch so war die Zahl der Stiftsherren fast nie vollständig, weshalb der Erzbischof Johann von Schöneberg im Jahre 1597 sie auf neun Kanoniker nebst einem Dechanten beschränkte.

Da die älteren Stifter im 13. Jahrhundert die ursprüngliche Einrichtung, dass die Stiftsherren in klösterlicher Weise zusammenlebten, schon aufgegeben hatten, so könnte angenommen werden, dass die Kanoniker in Kyllburg von Anfang an getrennt und einzeln wohnten, wenn nicht die ausgedehnten Kapitelsgebäulichkeiten dagegen sprächen. Grosse Verluste erlitt das Stift, als Ludwig XIV. von Frankreich mit seinen Heeren Luxemburg besetzte. von wo dies Stift einen bedeutenden Theil seiner Einkünfte bezog. Während im Jahre 1774 das Einkommen eines Kanonikers noch auf 400 Thaler berechnet wird, beträgt es 1789 nach einem zwölfjährigen Durchschnitt nur etwa 250 Thaler.

Von seinem Gründer war dem Stift auch die Pflicht auferlegt worden, eine Schule zu eröffnen: dieselbe brachte es noch im vorigen Jahrhundert zu einer gewissen Blüthe.
Marx, Gesch. d. Erzstift., II, 2, S. 115

Vielleicht schon seit der ersten Erbauung war die Stiftskirche auf dem Kyllberge eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte. Besondere Wallfahrtstage waren die Muttergottesfeste und der erste Sonntag in jedem Monat.
de Lorenzi, I, S. 298.

Ueber das auch in künstlerischer Hinsicht werthvolle Gnadenbild U. L. Frau, abgebildet auf dem Titelblatt, werden wir nachher eingehender sprechen.

Wie so viele andere Denkmäler des frommen Sinnes unserer Vorfahren, wurde auch das Stift zu Kyllburg ein Opfer der französischen Revolution: die Kanonikatshäuser wurden zusammen für 3185 Frcs. verkauft und die Stiftskirche der Gemeinde als Pfarrkirche überwiesen.

Der Ort Kyllburg erlangte durch die Burg und das Stift allmählich einige Bedeutung: er wurde der Hauptort eines gleichnamigen trierischen Amtes, zu welchem 16 umliegende Ortschaften gehörten. Die Renten und Gefälle genoss in späterer Zeit das Domkapitel in Pfandschaft; der Domdechant liess das Amt verwalten.
Marx, Gesch. d. Erzstift. Trier, I, 1, S. 244

Im Jahre 1589 erhielt Kyllburg sogar Stadtrechte durch den Erzbischof Johann VII., Grafen von Schönborn.

Leave A Response

You must be logged in to post a comment.