Dienstag, 11. Mai 2021

Dank der Stiftung des Kyllburger Apothekers Hess konnte am 12. Februar 1890 auf dem Stiftberg ein Krankenhaus eröffnet werden. Träger waren die Franziskanerinnen von Waldbreitbach, die an gleicher Stelle im Jahre 1900 zusätzlich ein Kloster und Bettenhaus errichteten. Das Krankenhaus bestand bis 1968.

Der Kyllburger Apotheker Friedrich Wilhelm Hess vererbte in seinem Testament am 20. Dezember 1886 sein Haus und den umliegenden Garten (4 Morgen) auf dem Stift der katholischen Pfarrgemeinde Kyllburg mit der Auflage, an dieser Stelle ein „Klösterchen für Krankenpflege“ zu errichten. Der Kirchenvorstand stellte an die „hohe Königliche Regierung zu Trier“ ein „Gesuch um Genehmigung und Erwirkung der Landesherrlichen Ermächtigung zur Annahme des Legates.“
Anschließend wurde die Bischöfliche Behörde in Trier um „geneigte Genehmigung dieser Schenkung“ im Wert von 4500 Mark gebeten. Im Sitzungsprotokoll des Kirchenvorstandes wird eigens erwähnt, dass alle Mitglieder teilnahmen. Es waren dies: Jacob Kronibus als Vorsitzender, Franz Brantzen als stellvertretender Vorsitzender, die Herren Nikolaus Lucas, Nicolaus Meyers, Jacob Schmitt und Pfarrer und Definitor Christian Müller.

Am 9. Oktober 1889 genehmigte „das Ministerium der geistlichen Unterrichts und Medizinal Angelegenheiten“ in Berlin, dass in Kyllburg eine „neue Niederlassung der Genossenschaft der Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Waldbreitbach behufs Ausübung der Krankenpflege errichtet werde“.

Am 12. Februar 1890 nahm das Krankenhaus den Betrieb auf. So berichtet Pastor Müller in einer Niederschrift: „Am 12. Februar 1890 Nachmittags mit dem Zug 3 Uhr 45 Min. sind hier die Schwestern aus dem Kloster Marienhaus in Waldbreitbach angekommen, um sich hier niederzulassen.“

Damals begann für Kyllburg und Umgebung ein außerordentlich segensreiches Wirken der Ordensschwestern und der Kyllburger Ärzte, das bis zum Jahre 1973 andauern sollte.

Die Franziskanerinnen bauten im Jahre 1900 ein für die damalige Zeit großes und modernes Bettenhaus, das auch die Verwaltungsräume, die Küche und eine Kapelle enthielt. Im „alten“ Gebäude, dem ehemaligen Wohnhaus des Apothekers Hess, das zugleich im Kern eines der alten Kanonikerhäuser ist, waren Behandlungsräume und sogar ein Operationssaal untergebracht, in denen die Kyllburger Ärzte die stationären Behandlungen durchführten. Noch vor wenigen Jahren schilderten ältere Kyllburger Bürger mit durchaus gemischten Gefühlen, dass sie gelegentlich nach dem Gottesdienstbesuch in der Stiftskirche gebeten wurden, eben mal anzupacken, um einen Frisch-Operierten vom OP in das Bettenhaus zu „bugsieren.“

Später wurde ein weiteres Gebäude,die „Villa Westberg“ vom Krankenhausträger übernommen.
Nach einer Krankenhaus-Reformgesetzgebung dienten die Gebäude von 1968 bis 1973 als Erholungsheim, dann verließen die letzten Franziskaner-Schwestern Kyllburg.

Am 10. August 1974 zog dann die Katholische Landvolkhochschule in die ehemaligen Krankenhausgebäude ein. Doch das ist eine Geschichte, die wir ein anderes Mal erzählen möchten.

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